Das Geheimnis der Fledermäuse: Ein einzigartiges Immunsystem entdeckt

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Fledermäuse faszinieren die Wissenschaft seit vielen Jahren. Sie sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können, spielen eine wichtige Rolle in zahlreichen Ökosystemen – und besitzen offenbar auch ein Immunsystem, das außergewöhnlicher ist, als bisher bekannt war.

Ein internationales Forschungsteam hat bei Fledermäusen eine Besonderheit entdeckt, die in dieser Form bislang bei keinem anderen Säugetier nachgewiesen wurde: zwei getrennte genetische Systeme, die an der Bildung von Antikörpern beteiligt sind.

Die Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten, die Immunabwehr von Fledermäusen und ihre besondere Beziehung zu Krankheitserregern besser zu verstehen.

Zwei Antikörpersysteme statt eines

Antikörper gehören zu den wichtigsten Werkzeugen unseres Immunsystems. Sie helfen dem Körper, Krankheitserreger zu erkennen und auf Infektionen zu reagieren.

Bei Menschen und anderen bisher untersuchten Säugetieren befindet sich das genetische System für die sogenannten schweren Ketten der Antikörper normalerweise in einem einzigen Bereich des Erbguts.

Bei Fledermäusen aus der Familie der Vespertilionidae, den Glattnasen, entdeckten die Forschenden jedoch etwas völlig Unerwartetes:

Sie besitzen zwei vollständige Immunglobulin-Schwerketten-Loci auf unterschiedlichen Chromosomen.

Die Forschenden untersuchten die Genome von 26 Fledermausarten und bestätigten anschließend am Großen Braunen Abendsegler (Eptesicus fuscus), dass beide Systeme tatsächlich funktionsfähig sind und von Immunzellen zur Bildung von Antikörpern genutzt werden.

Eine solche Organisation war bei Säugetieren bisher nicht bekannt.

Warum sind Fledermäuse für die Forschung so interessant?

Fledermäuse können natürliche Wirte verschiedener Viren sein. Gleichzeitig können einige Arten mit bestimmten Viren leben, ohne die schweren Krankheitsverläufe zu entwickeln, die bei anderen Säugetieren auftreten können.

Warum das möglich ist, beschäftigt die Wissenschaft schon lange.

Die neu entdeckten Antikörpersysteme könnten ein weiteres Teil dieses komplexen Puzzles sein.

Doch hier ist wissenschaftliche Genauigkeit wichtig:

Die Entdeckung beweist nicht, dass dieses doppelte System der Grund dafür ist, warum Fledermäuse bestimmte Viren besser tolerieren können.

Die Forschenden selbst betonen, dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Die Entdeckung zeigt vielmehr, dass das Immunsystem von Fledermäusen noch vielfältiger ist als bisher angenommen.

Mehr als 500 Arten in einer außergewöhnlichen Tierfamilie

Die Vespertilionidae bilden die größte Fledermausfamilie der Welt und umfassen mehr als 500 Arten.

Ihre Vertreter leben fast überall auf unserem Planeten.

Fledermäuse sind aber nicht nur aus medizinischer Sicht interessant. Sie erfüllen wichtige Aufgaben in der Natur.

Je nach Art fressen sie große Mengen an Insekten, bestäuben Pflanzen oder verbreiten Samen. Damit tragen sie zur Funktionsfähigkeit und Vielfalt von Ökosystemen bei.

Ihre Erforschung zeigt deshalb auch etwas Grundsätzliches:

Je mehr wir über andere Lebewesen erfahren, desto besser verstehen wir die Natur – und manchmal auch uns selbst.

Von einer Entdeckung entstehen neue Fragen

Wissenschaft bedeutet nicht nur, Antworten zu finden.

Eine wichtige Entdeckung führt fast immer zu neuen Fragen:

Warum haben sich bei diesen Fledermäusen zwei Antikörpersysteme entwickelt?

Welchen Vorteil bringen sie?

Wie unterscheiden sich die beiden Systeme?

Welche Rolle spielen sie bei der Reaktion auf Krankheitserreger?

Und könnten Erkenntnisse aus der Biologie von Fledermäusen eines Tages auch dazu beitragen, Immunreaktionen anderer Säugetiere besser zu verstehen?

Genau deshalb ist Grundlagenforschung so wichtig.

Eine zunächst kleine Besonderheit im Erbgut eines Tieres kann unser Verständnis darüber verändern, wie vielfältig Leben auf unserem Planeten tatsächlich funktioniert.

Wissenschaft beginnt mit Neugier

Für Kinder und Jugendliche muss Wissenschaft nicht mit komplizierten Formeln oder einem Labor beginnen.

Sie kann mit einer einfachen Frage anfangen:

Warum kann dieses Tier etwas, das andere Tiere nicht können?

Aus einer Frage entsteht Beobachtung.

Aus Beobachtung entsteht Recherche.

Aus Recherche entstehen neue Fragen.

Und aus diesen Fragen kann Wissen entstehen.

Dieser Weg gehört auch zum Bildungsansatz von Bücher für die Zukunft:

LESEN → FRAGEN → FORSCHEN → DISKUTIEREN → IDEEN ENTWICKELN → GEMEINSAM HANDELN

Bücher für die Zukunft: Literatur, Wissenschaft und Natur verbinden

Das Schweizer Bildungsprojekt Bücher für die Zukunft verbindet Literatur, Umweltbildung, Natur, Wissenschaft und Verantwortung.

Ausgangspunkt ist die illustrierte Kinder- und Jugendnovelle „Wenn Träume Wirklichkeit werden“ von Francisco Cantuarias Rey, Autor, Projektinitiator und Projektleitung von Bücher für die Zukunft.

In der Geschichte begegnen Kinder unterschiedlichen Tieren, entdecken ihre Lebensräume und beginnen, Fragen zu stellen und selbst zu recherchieren.

Diese Idee wird durch pädagogische Lernmaterialien, ein Lehrerhandbuch, ein Schülerarbeitsheft und weitere Aktivitäten weitergeführt.

Wissenschaftliche Nachrichten wie die Entdeckung des außergewöhnlichen Immunsystems der Fledermäuse zeigen, dass es in der Tierwelt noch unglaublich viel zu entdecken gibt.

Kinder sollen dabei nicht nur Informationen erhalten.

Sie sollen lernen, selbst Fragen zu stellen.

Zukunftsteam – aus Fragen können Ideen entstehen

Auch das Zukunftsteam von Bücher für die Zukunft knüpft an diesen Gedanken an.

Kinder und Jugendliche können beobachten, recherchieren, diskutieren und eigene Ideen entwickeln. Dabei können Themen aus Natur, Tierwelt, Umwelt, Wissenschaft und Gesellschaft Ausgangspunkte für eigene Projekte sein.

Denn Wissen ist besonders wertvoll, wenn daraus Neugier, Verantwortung und eigenes Handeln entstehen.

Frage an junge Forscherinnen und Forscher

Wenn du eine außergewöhnliche Fähigkeit eines Tieres erforschen könntest: Welches Tier würdest du auswählen – und welche Frage würdest du der Wissenschaft stellen?

Vielleicht beginnt eine neue Entdeckung irgendwann genau mit einer solchen Frage.


Wissenschaftliche Grundlage

Die wissenschaftliche Studie „Immunoglobulin heavy chain locus duplication in bats“ von Taylor Pursell und weiteren Forschenden wurde am 29. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

DOI: 10.1126/sciadv.aeb6714

An der Forschung waren unter anderem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Stanford University, Tulane University und der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) beteiligt.


Bücher für die Zukunft

Bücher für die Zukunft
Literatur · Umweltbildung · Wissenschaft · Verantwortung

Wenn Träume Wirklichkeit werden
Eine illustrierte Kinder- und Jugendnovelle von Francisco Cantuarias Rey

Zukunftsteam – Gemeinsam Ideen verwirklichen

Projektinitiator und Projektleitung:
Francisco Cantuarias Rey

Weitere Informationen über das Buch, das Bildungsprojekt, Lernmaterialien, Wissenschaft, Natur und das Zukunftsteam:

www.buecherfuerdiezukunft.ch