Anak Krakatau bricht aus: Was uns Vulkane über die Kräfte unserer Erde zeigen
Wissenschaft · Vulkane · Geologie · Erde · Naturphänomene · Indonesien
Ein Vulkan erwacht, glühendes Material steigt aus seinem Inneren auf und eine gewaltige Aschewolke breitet sich über den Himmel aus: Anak Krakatau in Indonesien ist erneut ausgebrochen.
Seit Anfang September 2026 zeigt der Vulkan starke Aktivität. Am 5. September dokumentierte die indonesische Geologiebehörde eine anhaltende Eruptionsphase. In den folgenden Tagen verbreitete sich Vulkanasche über grosse Gebiete und beeinträchtigte das öffentliche Leben und den Flugverkehr erheblich. (Badan Geologi Portal)
Doch hinter den spektakulären Bildern steckt eine faszinierende wissenschaftliche Geschichte.
Warum brechen Vulkane überhaupt aus? Was geschieht tief unter unseren Füssen? Und warum gibt es in Indonesien so viele aktive Vulkane?
Ein junger Vulkan mit einer besonderen Geschichte
Der Name Anak Krakatau bedeutet sinngemäss „Kind des Krakatau“.
Der Vulkan liegt in der Sundastrasse zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra und entstand innerhalb des Vulkansystems, das mit der gewaltigen Krakatau-Katastrophe von 1883 verbunden ist.
Anak Krakatau entwickelte sich Jahrzehnte später aus dem Meer und wuchs durch wiederholte vulkanische Aktivität weiter.
Auch seine eigene Geschichte zeigt, wie dynamisch unsere Erde ist: Im Dezember 2018 kollabierte ein Teil des Vulkans. Dadurch entstand ein Tsunami, der die umliegenden Küsten traf und mehr als 400 Menschen das Leben kostete. (Reuters)
Was geschieht bei einem Vulkanausbruch?
Unter der Erdoberfläche können sich geschmolzenes Gestein und Gase sammeln.
Dieses geschmolzene Gestein wird unter der Erdoberfläche Magma genannt.
Steigt Magma nach oben, verändert sich der Druck. Gase können sich ausdehnen und das Material durch Öffnungen in der Erdkruste nach aussen treiben.
Erreicht das geschmolzene Gestein die Oberfläche, sprechen wir von Lava.
Bei explosiven Eruptionen können zusätzlich grosse Mengen aus Gesteinsfragmenten, Gas und feinster Vulkanasche in die Atmosphäre gelangen.
Vulkane zeigen uns damit etwas, das wir im Alltag leicht vergessen:
Unsere Erde ist kein starrer Planet. Sie verändert sich ständig.
Eine Aschewolke mit enormen Auswirkungen
Die aktuelle Eruption zeigt eindrucksvoll, dass die Auswirkungen eines Vulkans weit über seinen Krater hinausreichen können.
Die Vulkanasche erreichte in Teilen der Eruptionswolke Höhen von bis zu 50.000 Fuss – rund 15 Kilometer. Satelliten konnten die Ausbreitung der Asche über grosse Entfernungen beobachten. (Reuters)
Die Folgen waren erheblich.
Zeitweise mussten mehrere indonesische Flughäfen ihren Betrieb einstellen. Bis zum 7. September waren rund 3.000 Flüge verspätet oder gestrichen und ungefähr 341.000 Reisende betroffen. Schulen stellten teilweise auf Fernunterricht um, und auch Fischereiaktivitäten wurden eingeschränkt. (Reuters)
Am 8. September konnten der internationale Flughafen Soekarno-Hatta in Jakarta und vier weitere Flughäfen wieder öffnen. Die Behörden beobachten Anak Krakatau jedoch weiterhin, da erneut Eruptionen registriert wurden. (Reuters)
Warum ist Vulkanasche für Flugzeuge gefährlich?
Vulkanasche sieht manchmal wie gewöhnlicher Rauch aus.
Sie ist aber etwas völlig anderes.
Sie besteht aus winzigen Partikeln von vulkanischem Gestein, Mineralien und vulkanischem Glas.
Gerät ein Flugzeug in eine dichte Aschewolke, können diese Partikel unter anderem Triebwerke und andere technische Systeme beeinträchtigen.
Deshalb beobachten Vulkanologen, Wetterdienste und Luftfahrtbehörden nicht nur den Vulkan selbst.
Sie müssen auch wissen:
Wie hoch steigt die Asche?
In welche Richtung weht der Wind?
Welche Regionen könnten betroffen sein?
Satelliten spielen dabei eine wichtige Rolle. Bei Anak Krakatau konnte die Entwicklung der Eruptionswolke beispielsweise mit dem Wettersatelliten Himawari-9 verfolgt werden. (cimss.ssec.wisc.edu)
Warum gibt es in Indonesien so viele Vulkane?
Indonesien gehört zu den vulkanisch aktivsten Regionen der Erde.
Das Land liegt am sogenannten Pazifischen Feuerring – dem Pacific Ring of Fire.
In dieser riesigen Zone treffen mehrere tektonische Platten aufeinander.
Unsere Erdoberfläche besteht nämlich nicht aus einer einzigen unbeweglichen Schale. Sie ist in grosse und kleinere Platten aufgeteilt, die sich sehr langsam bewegen.
Wo Platten zusammenstossen, sich voneinander entfernen oder eine Platte unter eine andere geschoben wird, können Erdbeben und Vulkanismus entstehen.
Indonesien besitzt deshalb mehr als 100 aktive Vulkane und muss seine vulkanische Aktivität ständig überwachen. (Reuters)
Können Wissenschaftler einen Vulkanausbruch vorhersagen?
Vulkanologinnen und Vulkanologen können einen Vulkan sehr genau beobachten – eine Eruption jedoch nicht immer exakt vorhersagen.
Dafür werden verschiedene Hinweise untersucht.
Wissenschaftler messen beispielsweise kleine Erdbeben unter einem Vulkan, Veränderungen des Bodens, austretende Gase, Temperaturen und Veränderungen der vulkanischen Aktivität.
Satelliten ermöglichen zusätzlich Beobachtungen aus dem Weltraum.
Aus all diesen Informationen entsteht ein immer genaueres Bild davon, was im Inneren eines Vulkans geschieht.
Das kann Behörden helfen, Warnungen auszusprechen und Menschen rechtzeitig zu schützen.
Wissenschaft beginnt mit einer Frage
Ein Vulkanausbruch ist beeindruckend – manchmal aber auch gefährlich.
Für Bücher für die Zukunft ist deshalb nicht nur das spektakuläre Bild der Eruption interessant.
Viel wichtiger sind die Fragen dahinter:
Warum passiert das?
Wie funktioniert unsere Erde?
Wie können Wissenschaftler solche Naturphänomene untersuchen?
Und wie kann Wissen Menschen helfen, sich besser auf Naturgefahren vorzubereiten?
Genau hier beginnt Wissenschaft.
Beobachten → Fragen → Forschen → Verstehen.
Und daraus kann verantwortungsvolles Handeln entstehen.
Bücher für die Zukunft: Unsere Erde entdecken und verstehen
Das Schweizer Bildungsprojekt Bücher für die Zukunft verbindet Literatur, Natur, Wissenschaft, Umweltbildung und Verantwortung.
Ausgangspunkt ist die illustrierte Kinder- und Jugendnovelle „Wenn Träume Wirklichkeit werden“ von Francisco Cantuarias Rey.
Das Projekt möchte Kinder und Jugendliche dazu ermutigen, ihre Umwelt nicht einfach als selbstverständlich hinzunehmen, sondern genauer hinzusehen und Fragen zu stellen.
Unser Bildungsweg lautet:
LESEN → FRAGEN → FORSCHEN → DISKUTIEREN → IDEEN ENTWICKELN → GEMEINSAM HANDELN
Wissenschaftliche Ereignisse wie die Eruption von Anak Krakatau können dabei zeigen, wie spannend es ist, unseren Planeten zu erforschen.
Zukunftsteam – aus Neugier entstehen Ideen
Auch im Zukunftsteam von Bücher für die Zukunft können Natur und Wissenschaft Ausgangspunkt für neue Fragen und eigene Ideen sein.
Was würden wir untersuchen, wenn in unserer Nähe ein ungewöhnliches Naturphänomen auftritt?
Wie können Menschen vor Naturgefahren gewarnt werden?
Welche Rolle spielen Satelliten?
Wie könnten Schulen Kindern erklären, was bei einem Erdbeben oder Vulkanausbruch zu tun ist?
Aus einer Nachricht kann eine Frage entstehen.
Aus einer Frage kann Forschung entstehen.
Und aus Wissen können neue Ideen entstehen.
Frage an junge Forscherinnen und Forscher
Wenn ihr einen Vulkan erforschen könntet – was würdet ihr zuerst herausfinden wollen?
Was befindet sich unter seinem Krater?
Wie heiss ist Magma?
Wie erkennen Wissenschaftler eine bevorstehende Eruption?
Oder warum entstehen manche Vulkane mitten im Meer?
Vielleicht beginnt eure nächste Entdeckung genau mit einer dieser Fragen.
Bücher für die Zukunft
Bücher für die Zukunft
Literatur · Umweltbildung · Natur · Wissenschaft · Verantwortung
„Wenn Träume Wirklichkeit werden“
Illustrierte Kinder- und Jugendnovelle von Francisco Cantuarias Rey
Zukunftsteam – Gemeinsam Ideen verwirklichen
Projektleitung: Francisco Cantuarias Rey
Weitere Informationen über Wissenschaft, Natur, Tiere, das Bildungsprojekt, Lernmaterialien und das Zukunftsteam:
Quellen
Die Informationen zur aktuellen Aktivität stammen insbesondere von der indonesischen Badan Geologi, die am 5. September einen Sonderbericht zur anhaltenden Eruption von Anak Krakatau veröffentlichte. (Badan Geologi Portal) Die Auswirkungen auf Flughäfen, Schulen und Bevölkerung sowie die Entwicklung bis zum 8. September wurden unter anderem von Reuters dokumentiert. (Reuters)
Offizieller Bericht der indonesischen Badan Geologi
Satellitenbeobachtung der Eruption – CIMSS / University of Wisconsin