Natur & Zukunft | Schweiz · Moore, Klima & Biodiversität
29. August 2026
Von Francisco Cantuarias Rey
Bücher für die Zukunft
Während viele Landschaften in der Schweiz unter dem trockenen und heissen Sommer leiden, zeigt sich in der Moorlandschaft Rothenthurm im Kanton Schwyz etwas Bemerkenswertes: Auf bereits renaturierten Flächen ist weiterhin Wasser vorhanden.
Das ist kein Zufall. Seit 2023 arbeitet Pro Natura gemeinsam mit der Abteilung Natur und Landschaft des kantonalen Amts für Wald und Natur sowie lokalen Unternehmen daran, den natürlichen Wasserhaushalt im Gebiet Wolfschachen wiederherzustellen. Anfang September 2026 werden die Arbeiten fortgesetzt. (pronatura.ch)
Moore sind von Natur aus sehr feuchte Lebensräume. Doch in der Vergangenheit wurden vielerorts Entwässerungsgräben angelegt, um Flächen für die Landwirtschaft oder den Torfabbau nutzbar zu machen.
Auch in Rothenthurm existieren solche alten Gräben. Sie führen noch heute Wasser aus dem Moor ab.
Das hat weitreichende Folgen.
Wenn der Wasserstand sinkt, gelangt Luft an den Torf. Das organische Material beginnt sich zu zersetzen und der über lange Zeit gespeicherte Kohlenstoff wird teilweise als CO₂ freigesetzt.
Steigende Temperaturen können diesen Prozess zusätzlich beschleunigen. (pronatura.ch)
Torfmoose spielen dabei eine besondere Rolle.
Sie können grosse Mengen Wasser aufnehmen und speichern. Bei Regen halten intakte Moorlandschaften Wasser zurück; während trockener Perioden geben sie es langsam wieder an ihre Umgebung ab.
Dadurch können Moore helfen, extreme Schwankungen im Wasserhaushalt abzufedern.
Pro Natura weist darauf hin, dass ein Hektar intaktes Torfmoor Millionen Liter Wasser speichern kann. Damit sind Moore nicht nur Lebensräume für spezialisierte Pflanzen und Tiere, sondern können auch zum natürlichen Hochwasserschutz beitragen. (pronatura.ch)
Das Ziel der Arbeiten in Wolfschachen klingt zunächst einfach:
Das Wasser soll länger im Moor bleiben.
Die praktische Umsetzung ist jedoch aufwendig.
2026 sollen vier Holzsperren im Hauptentwässerungsgraben eingebaut werden. Zusätzlich werden mehr als ein Kilometer Drainagegräben verfüllt.
Dadurch fliesst das Wasser nicht mehr so schnell aus dem Gebiet ab und der natürliche Wasserstand kann sich schrittweise erholen.
Für die Arbeiten wird Holz aus den Wäldern von Einsiedeln verwendet. Sie sollen Anfang September beginnen und – sofern Wetterbedingungen und der Schutz der empfindlichen Torfböden es erlauben – voraussichtlich bis November dauern. (pronatura.ch)
Besonders interessant ist, was während des trockenen Sommers 2026 beobachtet werden kann.
In Bereichen, die seit 2023 renaturiert wurden, halten bereits eingebaute unterirdische Holzsperren Wasser zurück.
Während die Umgebung unter der anhaltenden Trockenheit leidet, sind diese renaturierten Flächen laut Pro Natura die einzigen Bereiche vor Ort, die noch von Wasser bedeckt sind. (pronatura.ch)
Das zeigt sehr anschaulich, warum die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts so wichtig ist.
Von den feuchten Bereichen profitieren zahlreiche Tiere.
Bedrohte Libellen und Amphibien finden dort Rückzugsräume.
Rauchschwalben nutzen das Wasser zum Trinken.
Und sogar ein Vogel, der enorme Entfernungen zurücklegt, profitiert davon: Der Bruchwasserläufer nutzt das Gebiet als Rastplatz auf seiner Reise zwischen Skandinavien und Äquatorialafrika. (pronatura.ch)
Ein kleines Stück wiedervernässtes Moor kann damit Teil eines viel grösseren ökologischen Netzes sein.
Unter einem Moor befindet sich etwas, das wir an der Oberfläche kaum sehen können: Torf.
Er entsteht aus Pflanzenresten, die sich unter den nassen und sauerstoffarmen Bedingungen nicht vollständig zersetzen.
Dadurch bleibt der darin enthaltene Kohlenstoff über sehr lange Zeit gespeichert. Pro Natura beschreibt Moore deshalb als wichtige CO₂-Senken. (pronatura.ch)
Wird ein Moor entwässert, verändert sich dieser Prozess. Der Torf kommt mit Sauerstoff in Kontakt, beginnt sich zu zersetzen und verliert nach und nach seine Fähigkeit, Kohlenstoff langfristig zu speichern.
Moorschutz bedeutet deshalb gleichzeitig Artenschutz, Wasserschutz und Klimaschutz. (pronatura.ch)
Die Moorebene Rothenthurm liegt in einem Hochtal im Kanton Schwyz und umfasst Flachmoore sowie eines der grössten Hochmoore der Schweiz.
Über Jahrtausende konnten sich dort unter dem kühlen und feuchten Klima ausgedehnte Moorflächen entwickeln.
Die Landschaft ist heute streng geschützt. Trotzdem bedeutet gesetzlicher Schutz allein nicht, dass frühere Eingriffe automatisch verschwinden.
Die alten Entwässerungsgräben wirken weiter.
Deshalb sind aktive Regenerationsmassnahmen notwendig. (pronatura.ch)
Moore wirken manchmal robust, sind aber empfindliche Lebensräume.
Wer ein Moor- oder Naturschutzgebiet besucht, kann mit einfachen Verhaltensweisen helfen:
Auf den vorgesehenen Wegen bleiben.
Torfmoose und andere Moorpflanzen können durch Betreten beschädigt werden.
Tiere nicht stören.
Feuchtgebiete sind wichtige Brut-, Nahrungs- und Rastplätze.
Pflanzen nicht pflücken oder entfernen.
Abfall wieder mitnehmen.
Hinweise und Schutzbestimmungen beachten.
Im Naturschutzgebiet Rothenthurm weist Pro Natura beispielsweise ausdrücklich darauf hin, dass Hunde an der Leine geführt werden müssen. (pronatura.ch)
Ein Moor kann auf den ersten Blick wie eine ruhige, nasse Landschaft aussehen.
Doch wenn wir genauer hinschauen, entstehen spannende Fragen:
Wie kann Moos Millionen Liter Wasser speichern?
Warum entsteht Torf?
Was geschieht mit dem gespeicherten Kohlenstoff, wenn ein Moor austrocknet?
Warum brauchen Libellen und Amphibien solche Lebensräume?
Wie kann eine Holzsperre dabei helfen, ein ganzes Ökosystem wiederherzustellen?
Und vielleicht die wichtigste Frage:
Was passiert, wenn wir der Natur wieder die Möglichkeit geben, ihre eigenen Funktionen zu erfüllen?
Rothenthurm zeigt, dass Naturschutz nicht immer bedeutet, etwas völlig Neues zu schaffen.
Manchmal geht es darum, einen früheren Eingriff zu korrigieren – einen Entwässerungsgraben zu schliessen, Wasser zurückzuhalten und der Natur anschließend Zeit zu geben.
Dann können Torfmoose wieder wachsen.
Wasser kann zurückkehren.
Tiere finden neue Rückzugsräume.
Und ein geschädigtes Ökosystem beginnt, sich zu erholen.
Genau solche Entwicklungen möchten wir bei Bücher für die Zukunft beobachten, verstehen und Kindern näherbringen.
Beobachten · Fragen · Forschen · Verstehen · Handeln
Francisco Cantuarias Rey
Autor und Projektverantwortlicher
Bücher für die Zukunft
Literatur · Umweltbildung · Verantwortung
Pro Natura, 28. August 2026 – Moorlandschaft Rothenthurm: Regenerationsarbeiten in Wolfschachen werden fortgesetzt. Hauptquelle für die aktuellen Regenerationsarbeiten, die Situation während der Trockenheit 2026 und die Bedeutung des Gebiets für Biodiversität, Wasserspeicherung und Kohlenstoffbindung. (pronatura.ch)
Originalmeldung von Pro Natura
Pro Natura – Naturschutzgebiet Moorebene Rothenthurm (SZ) – Hintergrundinformationen zur Moorlandschaft, zu Torfmoosen, Wasserhaushalt, Hochwasserschutz und Kohlenstoffspeicherung. (pronatura.ch)
Informationen zur Moorebene Rothenthurm
Bildhinweis für die bereits ausgewählte Presseaufnahme:
Foto: © Pro Natura, Bastien Amez-Droz. Pro Natura erlaubt die bereitgestellten Pressebilder im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Pro Natura unter Angabe des korrekten Copyrights. (pronatura.ch)